Die Internationale Kunstakademie startet in die neue Saison

Heimbach. Das Stück Holz liegt ganz leicht in der Hand. Ein Fundstück, dessen Herkunft bisher nicht geklärt werden konnte. Die Zukunft zeichnete sich für dieses Stück am Samstag in der Internationalen Kunstakademie in Heimbach allerdings klar ab. Während eines Workshops bei Dozentin Una Sörgel verarbeitete Teilnehmerin Ela Rübenach aus Flamersheim im Kreis Euskirchen das markante Holzteil in einer Skulptur. Die Kunstakademie, untergebracht in der altehrwürdigen Burg Hengebach in Heimbach, war wieder Schauplatz eines "Kick Off"-Tags. Am 20. August 2009 wurde die Bildungseinrichtung unter der künstlerischen Leitung von Prof. Frank Günter Zehnder eröffnet. Seither findet immer zu Beginn eines Jahres ein "Kick Off"-Tag statt, an dem die Möglichkeit für Interessenten besteht, an Schnupper-Workshops mitzumachen. Zudem wird das neue Jahresprogramm vorgestellt (siehe Textkasten) und Neuerungen besprochen. ----- Una Sörgel ist neu in den Reihen der 55 Akademie-Dozenten. Die studierte Bühnenbildnerin stammt aus Leipzig, lebt inzwischen in Köln. Zwei Stunden hatte sie am Samstag Zeit, den vier Teilnehmern des Kurses Objektkunst schmackhaft zu machen. In Kisten und Tüten hatte sie Fundstücke und Abfallmaterial mitgebracht, doch auch die teilweise versierten Teilnehmer hatten Arbeitsmaterial dabei. So breitete Jürgen Hilger aus Birgel im Kreis Düren seine Schätze in Form von Holz- und Metallstücken auf der Arbeitsplatte aus. Der 56-jährige, der im Bereich der Innenarchitektur tätig ist, nahm am Kurs teil, um Kontakte zu knüpfen. Hilger: "Panik vor dem Ende der Berufszeit habe ich zwar nicht, aber ich möchte Ziele haben. Das möchte ich vorbereiten." Noch ist er im Bereich Messebau viel unterwegs. Die Zeit im Ruhestand soll allerdings keine langweilige werden. Hilger: "Für das, was da noch kommt im Leben, möchte ich mich gut vorbereiten." Eine eigene Ausstellung mit seinen eleganten und durchdachten Skulpturen hat er noch nicht erlebt. Aber wer weiß, was nach dem Berufsalltag so alles geschieht. Una Sörgel bot ihren Teilnehmern zunächst Anregungen, in dem sie Fotos ihrer eigenen Arbeiten zeigte und Bildbände, die sich mit großen Künstlern wie Marcel Duchamp oder René Magritte beschäftigten, zum Durchblättern auf den Tisch legte. ----- Hinzu gesellte sich ein kleiner Exkurs in die griechische Mythologie. Spielerisch nahmen die jeweiligen Objekte dann Gestalt an, wurden bemalt und geschmückt. Ebenfalls gut besucht war der Kurs von Henryk Kita. Der Maler, Zeichner und Illustrator stammt aus Polen, lebt aber inzwischen in Heimbach. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, das Empfindungsvermögen seiner Schützlinge zu sensibilisieren. Meditative, philosophische Malerei mit symbolischen Inhalten soll helfen zu reflektieren, über eigene Werte und Malkultur nachzudenken. Frank Günter Zehnder ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Akademie. 1115 erwachsene Teilnehmer nahmen im vergangenen Jahr die gut 120 Kursangebote wahr. Hinzu kamen 350 Kinder und Jugendliche, die bei den Angeboten "Kulturrucksack" und "Kunstakademie für junge Leute" dabei waren. Verschiedene Kooperationen zahlen sich inzwischen aus. So gibt es Familien, die in den Partnerunterkünften der Akademie Urlaub machen. Während die Kids in den Sommerferien an der Sommerakademie teilnehmen, gehen die Eltern wandern. Ein Paket, das immer beliebter wird. "Wir sind im Sommer inzwischen regelmäßig ausgebucht, ein totaler Renner", sagt Zehnder. Das neue Programm ist im Netz zu finden. Als Novum wird es im März ein Wassersymposium mit Filmdreh geben. www.kunstakademie-heimbach.de



gekonnt geguckt




Sinnestempel - die Badewelt in Euskirchen



Zum ersten Mal in 500 Jahren tritt in Mariawald ein Abt zurück

Mariawald. Was wird aus der Abtei Mariawald hoch im Kermeter? Dem einzigen Trappistenkloster in ganz Deutschland? Seit 500 Jahren eine Institution der Einkehr und Besinnung. Der Bürgermeister von Heimbach, Peter Cremer, gab den Stadtvertretern während einer Sitzung im Rathaus öffentlich bekannt, dass der neunte Abt von Mariawald, Joseph Vollberg (siehe Foto), zurückgetreten sei. Ein Schritt, den es bisher in Mariawald noch nie gegeben hat. ----- Cremer verwies auf die Internetseite der Abtei, auf der Vollberg eine Erklärung dazu abgibt. 2006 wurde der jetzt 53-Jährige in Mariawald zum "Abt auf Lebenszeit" gewählt. Er führte den strengen Ritus nach den Büchern, die bei den Zisterziensern vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor 1963, in Gebrauch waren, in Mariawald wieder ein. Die Trappisten sind Mönche der Erneuerungsbewegung der Zisterzienser im 17. Jahrhundert, also ein Abzweig dieser Glaubensgemeinschaft. Mit der Einführung des strengen Ritus erhoffte sich Vollberg, neue, junge Mitbrüder zu finden. In einem offenen Brief von Oktober 2012 berichtet er jedoch nach der Einführung über "Spannungen mit älteren Mitbrüdern". Der strengere Ritus schreibt zum Beispiel das erste Gebet in der Nacht um drei Uhr vor. Vollberg formulierte damals öffentlich: "Das ist anstrengender und anspruchsvoller als bisher." Ein Fragenkatalog, den diese Zeitung dem zurückgetretenen Abt, seinen Vorgesetzten beziehungsweise den Verwaltungsmitarbeitern vorlegte, wurde nicht beantwortet. Stattdessen kommt wieder der Verweis auf die Internetseite. Dort steht, dass nach einem Gespräch mit den Visitatoren Dom Bernardus und Dom Eric die Einsicht zum Rücktritt erfolgt sei und Joseph Vollberg in Mariawald nun den Posten des Priors, also des Hausoberen, bekleide. ----- Vollberg: "Zum Wohle der Zukunft, um absehbare Änderungen der Statuten zulassen zu können." Sonst drohe die Schließung des Konvents. Die Mitarbeiter der Abtei bräuchten "zunächst jedoch keine Veränderung zu fürchten". Zehn interne und externe Brüder zählt der Konvent laut Stand 10. April 2016, 217 Mitglieder gehören dem Förderverein an. Hinzu kommen weitere Mitarbeiter in der Kantine und im Buchladen der Einrichtung. Vollberg dementiert in seinem Internet-Statement Gerüchte über eine Auflösung des Klosters. Dom Bernardus Peeters aus Tillburg, dem nun die Würde des Abts von Mariawald und damit die Hauptverantwortung für die Einrichtung übertragen wurde, soll dafür Sorge tragen, dass vor allem die älteren Mitbrüder besser versorgt werden können. Auch soll er "mit Rat und Tat" zur Seite stehen, gehe Vollberg "mit jüngeren Brüdern weiter den Weg der Tradition". Aus internen Klosterkreisen kam der Hinweis, dass durch den Rücktritt Vollbergs die Entscheidungen bezüglich Mariawald leichter fallen könnten, ob Fortbestand oder Auflösung, das wurde nicht konkretisiert. „Mariawald ist das spirituelle Zentrum unserer Gemeinde“, formuliert Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer. „Und es ist ein touristisches Highlight in der ganzen Region. Hoffen wir, dass uns alles noch lange erhalten bleibt.”



Kindern ein Schutznetz spannen

Nideggen. Heile Welt? Behütetes Erwachsenwerden? Für viele Kinder nur ein Traum. Stattdessen gab und gibt es immer wieder Kinder, denen beispielsweise von den eigenen Eltern die sechs Rippen gebrochen, heißes Essen ins Gesicht gedrückt oder die seelisch gefoltert werden. Prof. Dr. Roland Brake wusste, wovon er da am Montagabend in Nideggen in der Mehrzweckhalle sprach, hatte er derartige Qualen doch am eigenen Leib und bei seinen drei Geschwistern in der Kindheit selber erlebt. Brake: "Mein Opa war Bergmann, mein Vater ebenfalls, meine Mutter Putzfrau. ----- Wir waren mit vier Kindern in einem kleinen Haus im Ruhrgebiet, das Klo war auf dem Hof." Grundlos gab es immer wieder Schläge mit allen möglichen Gegenständen. Brake: "Meine Eltern vermittelten die Botschaft: Wir machen mit Dir, was wir wollen. Ich lernte, ich bin nichts wert." Einen Bruder prügelten die Eltern in den Wahnsinn, drückten ihm heißes Essen ins Gesicht, die Folgeschäden sind geblieben. Er lebt heute in der Psychatrie. Ebenso die Mangelschäden bei einem weiteren Bruder, der heute ebenfalls in einer betreuten Einrichtung lebt. Brake: "Wir waren der Brutalität hilflos ausgeliefert." Das zunächst sehr persönlich gehaltene Referat, das der Fachmann zur lokalen Präventions- und Bildungskonferenz „Gut aufwachsen in Nideggen“ in Fortführung des Landesprojekts „Kein Kind zurücklassen“ hielt, berührte wohl jeden der rund 100 Anwesenden im Raum. Brake fand, im Gegensatz zu seinen Brüdern, den Weg aus der kindlichen Hölle heraus. Seit 40 Jahren wirkt er in der sozialen Arbeit, seit mehr als 20 Jahren lehrt er, berät Kliniken, Ministerien und führt eine Praxis für Psychotherapie. Ziel des landesweiten Projekts, das 2011 auf den Weg gebracht wurde, ist, die Negativbeispiele auszulöschen. ----- Brake: "Die Frage lautet: Wie kann man eine gesunde Kindheit erleben?" Die Antwort klingt simpel: Es muss ein liebevolles und gewaltfreies Umfeld geschaffen werden, Zuneigung, Respekt und Vertrauen sollten darin oberste Priorität genießen. Die Zahlen jedoch belegen das Gegenteil. So sind die Fälle der bekannt gewordenen Misshandlungen zwischen 2003 und 2013 um 70 Prozent gestiegen. Die Folgekosten sind enorm. "Vorbeugen ist besser als heilen und nach sorgen", lautet daher die Devise, der das Land nun nachgeht. Multiplikatoren sind unter anderem die Landräte. Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren, erinnerte sich an den Tag, als er 2011 auf Einladung der Landesregierung in Richtung Staatskanzlei unterwegs war. Spelthahn: "Ich war skeptisch, dachte nur: Schon wieder so ein Landesprogramm." Doch die Überlegungen überzeugten ihn schnell und er grübelte: "Wie kann man dieses wertvolle Programm in eine Kreisregion mit 15 Kommunen transportieren?" In Kreuzau als Referenzkommune testeten die Mitarbeiter des Kreises Düren, darunter Doris Peitz, zunächst die Wirkung. Zwar sei Kreuzau, ebenso wie Nideggen, "glänzend aufgestellt", was etwa Kindergärten und Schulen angehe, erklärte Spelthahn. Doch gebe es nichts, was nicht noch verbessert werden könne. ----- Die Vernetzung beispielsweise könne optimiert werden, Übergänge vom Kindergarten zur Schule und von der Schule in den Beruf können behüteter gestaltet werden. Rutscht ein Elternteil einmal in Arbeitslosigkeit oder Sucht und die Kinder werden auffällig, dann, weiß der Landrat, kämen direkt eine Vielzahl von Behördenvertretern ins Haus und manche Anträge müssten gleich fünf Mal ausgefüllt werden. Spelthahn: "Viele Familien machen in diesen Momenten komplett dicht." Anstrebenswerter sei es, eine Vertrauensperson auszuschauen, die in diesen Lagen die Familie begleite. Die Leiter diverser Bildungseinrichtungen, Politiker und Bürger in Nideggen bilden nun den Grundstock für die Präventions- und Bildungsarbeit für die Kinder von "- 9 bis 15 +". Spelthahn: "Wir sind als Gesellschaft verpflichtet, den Kindern ein Schutznetz zu spannen." ----- In fünf Arbeitsgruppen aufgeteilt verbrachten die Anwesenden den zweiten Teil des Abends. In den kommenden Monaten soll die Präventions- und Bildungsarbeit in Nideggen auf noch breitere und vor allem kontinuierliche Füße gesetzt werden. Was den Nachwuchs angeht, da geht übrigens Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp derzeit beispielhaft voran. Er ließ sich von seinem Stellvertreter Dieter Weber entschuldigen, weil er vor wenigen Tagen stolzer Vater einer Tochter geworden ist. Weber übernahm für seinen Chef versiert die Begrüßung der Anwesenden.

 


Neues Flaggschiff für den Ruderachter der RWTH Aachen

Wildenhof. "Wir müssen mal reden", mit diesem Satz betraten drei Studenten der RWTH Aachen 2011 das Büro von Uli Weber. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Hochschulsportzentrums und Ruderbetreuer ahnte, was dann kam. Das Trio, allesamt hervorragende Ruderer und Mitglieder des extrem erfolgreichen Ruderachters der RWTH Aachen, wünschten ein neues, wettbewerbstaugliches Boot, mit dem sie auf internationalem Parkett ganz vorne mitfahren wollten. Uli Weber und weitere Verantwortliche sorgten dafür, dass der Traum der Ruderer wahr werden konnte. Bereits seit einiger Zeit ist ein nagelneuer Ruderachter in Gebrauch, der am Samstagnachmittag am Wildenhof auf den Namen Theodore von Kármán getauft wurde.  ----- Von Kármán war ein ungarisch-amerikanischer Physiker und Luftfahrttechniker, der als Pionier der modernen Aerodynamik in die Geschichte einging, auch gilt er als Wegbereiter der Luftfahrt- und Raketenforschung (siehe Textkasten). Ein Glas Sekt schütteten Prof. Doris Klee, Prorektorin der RWTH, und Prof. Dirk Abel, Leiter der Steuerungsgruppe Wildenhof, gemeinsam und vorsichtig über einen der Ausleger des 35 000 Euro teuren Sportgeräts. Moderator der Taufe, Uli Weber, schwärmte: "Dieses Top-Boot ist ein echter Formel-1-Rennwagen unter den Booten." 18 Meter Länge weist das edle Sportgerät aus Kunststoff auf, acht Ruderer und ein Steuermann finden darin Platz. Der Steg am Wildenhof ist der Heimathafen des Achters. ----- Während der Taufe kam Doris Klee auf die Wichtigkeit des Wildenhofs für die RWTH Aachen zu sprechen. "Ein place to be", lobte sie den Platz am Rursee, wie er schöner kaum sein kann.
Student und Sprecher der Rudergruppe, der 80 Studenten angehören, ist Oliver Matzke. Er freute sich, dass der Bootspark am Wildenhof in den vergangenen acht Jahren "extrem erneuert" wurde und hofft, dass sich dieser Trend fort setzen wird, um die Attraktivität des Standortes zu erhalten. 40 Ruderboote, zwölf Segelboote, 20 Surfbretter, 30 Kajaks und zwölf Stand-Up-Paddler liegen im Wildenhof am Ufer. Hinzu gesellt sich ein Campinggelände, ein Parkplatz und ein großes Clubhaus. Mindestens zwei Mal pro Woche wird am Rursee trainiert und auch die Wochenenden gehören dem Training. Gelegentlich trainiert die Rudermannschaft zudem auf der Maas. Die Erfolge sind verblüffend: Seit 2011 gewinnt der gemischte Ruderachter durchgehend die Deutsche Hochschulmeisterschaft. Bei der Studentenregatta "Sveti Duje" im kroatischen Split präsentierte sich der Männerachter der RWTH Aachen in diesem Jahr wieder mal unschlagbar. Die Karlstädter verwiesen sogar die Mannschaften aus Oxford und Cambridge auf die hinteren Plätze.

 

Zum Namensgeber:

Theodore von Kármán erblickte am 11. Mai 1881 in Budapest als drittes von fünf Kindern einer angesehenen jüdischen Familie das Licht der Welt. Er studierte zunächst Ingenieurwissenschaft in seiner Heimatstadt, dann konnte er als Stipendiat nach Göttingen wechseln. Er promovierte 1908 mit einer Arbeit über Elastizitätstheorie. 1913 folgte er einem Ruf an die "Königlich Rheinisch-Westphälische Polytechnische Schule" zu Aachen, heute bekannt als RWTH.  Als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen verlagerte Kármán seine Forschungsarbeit in die USA. Bis zu seinem Tod 1956 wirkte er als Gründer und Leiter diverser Einrichtungen in Amerika und Belgien. Am 7. Mai 1963 verstarb er während einer Kur in Aachen.