Interview mit Prof. Dr. Frank Günter Zehnder

Interview mit Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, seit zehn Jahren, also von Beginn an, Leiter der Internationalen Kunstakademie in Heimbach.

Frage: Wieviele "Schülerinnen und Schüler" durchliefen die Internationale Kunstakademie (IKA) bereits?
Zehnder: Unsere Institution besuchen alle Generationen. Zumeist sind es ambitionierte Laien im jüngeren, im mittleren und im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Aber auch Profis sind zunehmend in den Kursen.

Außerdem bereiten sich hier viele junge Leute, die ein Kunststudium anstreben, vor dem Schulabgang auf die Mappenvorlage vor.

Für Kinder und Jugendliche gibt es besondere Formate im Rahmen von Ferienworkshops und Kulturrucksack NRW. Insgesamt waren seit 2009 fast 8000 Studierende in unseren Kursen, darunter zunehmend Wiederholungsbesucher.

Frage: Aus welchen Landstrichen beziehungsweise Ländern reisten die Schülerinnen und Schüler an?
Zehnder: Die Studierenden kommen aus allen Teilen Deutschlands von Kiel bis Garmisch-Partenkirchen, aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande und Dänemark. Studierende aus der Region (25 bis 150 km) sind stärker vertreten.

Frage: Wieviele Ausstellungen inklusive Werkschauen wurden bereits gezeigt?
Zehnder: Es wurden 63 Werkschauen und acht Großausstellungen gezeigt.
Die Werkschauen wurden durchschnittlich von 800 Besuchern und die Großausstellungen von durchschnittlich 3000 Besuchern gesehen.
Die Rizzi-Ausstellung war mit 13.500 Besuchern der Renner.

Frage: Wie kommt die neue Bibliothek zustande? Ist sie für jeden zugänglich?
Zehnder: Von Beginn an war die Kunstbibliothek ein wichtiges Ziel, weil sie den Blick auf Gattungen, Künstler, Museen, Stile, Techniken, Sammlungen weiten kann. Das ist für das Akademieteam, für die Studierenden, für Gäste und auch für die Dozenten eine gute Informationsquelle.
Die Bibliothek wurde durch spezielle Bücher-Spenden von Privat begründet, erhält Belegexemplare von Künstlern und Autoren, wird durch notwendige und wichtige Zukäufe erweitert. Besonders umfangreiche Bücherspenden aus Bonn, Bergisch Gladbach, Euskirchen und Heimbach waren ausschlaggebend für das weitere Wachsen.
Der Bestand wurde von einer Studentin der Bibliothekswissenschaft an der Uni Köln fachgerecht geordnet und beschriftet.
Die Kunstbibliothek ist für jeden zugänglich (nach Anmeldung im Sekretariat). Bücher können auch ausgeliehen werden, und man kann sogar in der Bibliothek arbeiten.

Frage: Wie wird die Zukunft der IKA aussehen? Weitere Kursangebote und Ausstellungen wie bisher oder gibt es Gedanken an neue Bausteine?
Zehnder: Die Kunstakademie wird auch weiterhin für ihre Jahresprogramme neue Dozentinnen und Dozenten berufen. So waren es im Programm 2019 etwa der rumänische Maler Viorel Chirea, der Graffitikünstler Kai Niederhauser "Semor" und die Berliner Künstlerin Anja Ehrenberg (Art Journal). Im Programm 2020 werden etwa zusätzlich Kalligraphie und Performance angeboten werden.
Natürlich werden auch zukünftig neben den immer wichtigen und interessanten Werkschauen große Ausstellungen gezeigt. In naher Zukunft sind beispielsweise die "Eifeler Ateliertage" (31.8. bis 15.9.2019) zu Gast, und vom 22.9. bis zum 27.10.2019 wird die Ausstellung "Nah + Fern. Landschaften" des Kunstpreisträgers des Kreises Düren 2019, Walter Dohmen, präsentiert. Im Frühjahr 2020 gibt es als Überraschung eine umfangreiche Ausstellung (samt Katalog) moderner Graphik, die der Kunstakademie aus Privatbesitz anvertraut wurde.

Frage: Wie lange möchten Sie die Akademie noch leiten und wer könnte ein passender Nachfolger oder eine passende Nachfolgerin werden? Wird darüber nachgedacht?
Zehnder: Über einen Schlusstermin meiner Leitungstätigkeit an der Akademie denke ich aktuell nicht nach. Es gibt viel zu tun, und mir macht die umfangreiche Aufgabe nach wie vor viel Freude. Wir denken stets über die Fortentwicklung der Kunstakademie und über neue Ideen nach.
Über Namen von Nachfolgerin oder Nachfolger wird überhaupt nicht nachgedacht. Wir beobachten den Markt und haben klare grundsätzliche Erwartungen für diese Position, die vom Vorstand des "Trägerverein Internationale Kunstakademie Heimbach e. V." besetzt wird.
Die Internationale Kunstakademie steht unter wissenschaftlicher Leitung, sie erfordert breite Kenntnisse in der modernen und aktuellen weltweiten Kunst. Die Leitung muss über ein fachinternes und gesellschaftliches Netzwerk zugunsten der Kunstakademie verfügen; eingeschlossen außerdem Personalführung, Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungs-, Führungs- und Publikationserfahrungen.
An diesen Bedingungen und Kompetenzen wird sich auch in Zukunft kaum etwas ändern.

Frage: Wie wichtig ist der Förderverein für die IKA?
Zehnder: Der unter Markus Schöller gegründete "Förderverein Internationale Kunstakademie Heimbach e.V.", der aktuell von Fred Kessel als Vorsitzendem geführt wird, ist außerordentlich wichtig und rührig. Er hat fast 200 Mitglieder (darunter eine hundertjährige Dame), er gestaltet für diese Kunstfreunde ein eigenes Programm von Führungen, Besichtigungen, Previews und Exkursionen, er unterstützt die Arbeit der Kunstakademie durch Aufsichten, Spenden und Mitarbeit. Er leistet in vielen Projekten finanzielle Hilfe und ist der Akademie einfach eng verbunden. Er verbindet auch die Mitglieder auf und durch die gemeinsamen Veranstaltungen untereinander.

Frage: Wie trägt sich die Einrichtung?
Zehnder: Die laufenden Kosten für den Kursbetrieb (Dozentenhonorare, Nebenkosten, Material etc.) werden aus diesem erwirtschaftet. Overhead-Kosten (Gebäude, Energie, Lohnkosten und so weiter) werden aus Gewinn, Zuschüssen von Kreis und Stadt sowie mit der Hilfe großzügiger Sponsoren bestritten.

Frage: Ist Ihnen noch etwas wichtig, was in einem Artikel unbedingt Erwähnung finden sollte?
Zehnder: Die Internationale Kunstakademie Heimbach ist Ansprech- und Kooperationspartner für viele Institutionen. Sie arbeitet beispielsweise mit Lit.eifel, Eifel musicale, Kammermusikfestival "Spannungen", Kulturrucksack NRW, Schulen, LAG Arbeit Bildung Kultur NRW e.V., Kulturinitiative im Kreis Düren e.V., im Arbeitskreis der Museen im Kreis Düren, mit der Kreisverwaltung Düren und der Stadt Heimbach engagiert und gerne zusammen.

Vielen Dank für dieses Interview sagt das Team von Gudrun Klinkhammer Stories.  :-)

Interview mit Jochen Kupp

Der Schleidener CDU-Politiker Jochen Kupp (50), Leiter des Berufsbildungszentrums Euskirchen (BZE), trat als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Schleiden zurück. Ein Paukenschlag.

Das Team von Gudrun Klinkhammer Stories (www.gkli.de / recherche) bat ihn um ein Interview:

 

Frage: Warum der plötzliche Rücktritt als Vorsitzender des Stadtverbandes Schleiden?

Kupp: Für mich war das nicht plötzlich. Eigentlich hatte ich geplant, dass Amt bis 2021 zu behalten und dann in jüngere Hände abzugeben. Ich wollte den Stadtverband noch durch die kommende Kommunalwahl führen und wäre dann auch hauptverantwortlich für den Wahlkampf gewesen. Meine Entscheidung hatte im Übrigen nichts mit der Arbeit in Schleiden (Rat und Stadtverband) zu tun! Das Fass war halt jetzt – aus diversen anderen Gründen - übergelaufen und deshalb bin ich zurückgetreten.


Frage: Was waren Ihre politischen Ziele? Hatten Sie Ambitionen als Landratskandidat?

Kupp: Ich war natürlich geschmeichelt, als ich zu einer Kandidatur zum Landrat vorgeschlagen wurde. Ich glaube auch, dass ich aufgrund meiner beiden Studien (Wirtschaftsrecht und BWL) sowie den über 30-jährigen Erfahrungen in der freien Wirtschaft und beim Berufsbildungszentrum Euskirchen die besten Voraussetzungen gehabt hätte, dieses Amt auszuführen. Gerade bei meiner Tätigkeit als Leiter des BZE habe ich bewiesen, dass ich Menschen führen kann, dass ich mit Menschen kommunizieren kann und diese zu Höchstleistungen animieren kann. Wir haben uns im Berufsbildungszentrum toll entwickelt und schreiben richtig gute Zahlen – dies hat vorher niemand für möglich gehalten.

Letztendlich habe ich mich nicht gegen eine Landratskandidatur entschieden, sondern für das BZE. Ich liebe meinen Job und liebe meine Mitarbeiter. Mir wurde von den Mitarbeitern und auch teilweise von den Trägern eine unglaubliche Wertschätzung entgegengebracht. Die Menschen haben mir das Gefühl gegeben, dass ich noch gebraucht werde und dass sie wollen, dass ich bleibe. Das ist ein unheimlich gutes Gefühl und wichtiger als Macht und Geld!

Jetzt werde ich gemeinsam mit meinem Mitarbeitern versuchen, dass Berufsbildungszentrum zu einem der modernsten in NRW zu machen. Da haben wir noch einiges vor und ich freue mich sehr darauf. Meine Aufgabe beim BZE ist sehr spannend und ich glaube, dass ich nicht unglücklicher sterben werde, wenn ich kein Landrat gewesen bin 😊.


Frage: Wie stellen Sie sich momentan Ihre politische Zukunft vor?

Kupp: Die Bürger aus meinem Wahlkreis (Schöneseiffen/Harperscheid) haben mich vor fünf Jahren zum zweiten Mal mit großer Mehrheit in den Schleidener Stadtrat gewählt. Dieses Amt werde ich selbstverständlich weiter wahrnehmen und nach jetzigem Stand auch im nächsten Jahr wieder für den Stadtrat Schleiden kandidieren. Zusätzlich strebe ich eine Kandidatur für den Kreistag Euskirchen an.

Was sich aus beiden Ämtern ergibt – falls ich aufgestellt und gewählt werde, wird sich zeigen. Ich bin keiner, der in der zweiten Reihe sitzt und abwartet – ich gehe aktiv nach vorne und bringe mich ein.


Frage: Leider ist die Internetseite des CDU Stadtverbandes derzeit nicht abrufbar. Wieviele Mitglieder hat der Verband aktuell und wie könnte es nun für den Verband weitergehen? Ist ein Nachfolger für Sie in Sicht?

Kupp: Der Schleidener Stadtverband hat rund 180 Mitglieder. In den vergangenen Monaten habe ich gemeinsam mit Bürgermeister Ingo Pfennings versucht, neue Mitglieder zu werben. Dies ist uns auch gelungen und wir konnten einige neue Mitglieder finden, die auch bereit sind, bei den nächsten Wahlen zu kandidieren. Ferner stehen wir kurz vor der Gründung einer jungen Union Schleiden/Hellenthal – hier waren zur Infoveranstaltung zahlreiche junge Menschen, die sich für die Politik interessieren. Das macht uns große Hoffnung für einen notwendigen personellen Umbruch in unserem Stadtverband.

Die brach liegende Internetseite zeigt vielleicht ganz gut das Dilemma, worin wir in Schleiden stecken. Die Arbeit in Stadtverband und Fraktion lastete zum Großteil auf meinen Schultern. Dies kann man mal eine gewisse Zeit machen, aber irgendwann wird dies zu viel. Vielleicht ist dies aber nun jetzt auch eine Chance, dass andere Mitglieder sich mehr einbringen und Verantwortung übernehmen. Die Frage des Nachfolgers / der Nachfolgerin kann ich derzeit nicht beantworten, da ich mich bewusst etwas zurückgezogen habe.


Frage: Wann sind Sie in "die Politik" gegangen und warum?

Kupp: Ich bin schon immer ein politisch interessierter Mensch gewesen. Da ich kein Typ bin, der nur über die Politik meckert, wollte ich mit anpacken und etwas verändern. Mit der Kommunalpolitik habe ich vor etwa 15 Jahren nach Beendigung meines zweiten nebenberuflichen Studiums begonnen. Zunächst habe ich mich in der Ortsunion engagiert und dann 2009 für den Rat kandidiert.

Nach der erfolgreichen Wahl ergab sich aber leider in Schleiden eine sehr kritische Situation. Der Fraktionsvorstand und der Stadtverbandsvorstand „wurde“ zurückgetreten. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation, die ziemlich bezeichnend war. Vor Jahren war es üblich, dass Presseberichte schon teilweise am Vorabend online waren. Nach einem Schwimmbadbesuch in Vogelsang habe ich dann in der Presse von einer Sitzung gelesen, wo im Schloss Schleiden vorab über eine Pressekonferenz berichtet wurde, in der der Vorstand der Fraktion und Stadtverbandsvorstand zum Rücktritt aufgefordert wurde. Journalist FA Heinen hatte da eine Kurzmeldung abgegeben. Ich versuchte, FA Heinen zu erreichen und auch unseren Vorsitzenden, bekam aber nur die telefonische Info, dass die Beiden sich auf der besagten Pressekonferenz befänden. Als neues Mitglied der Fraktion war dies für mich – eine Woche vor der konstituierenden Ratssitzung – eine mehr als seltsame Situation. Ich habe mich dann ins Auto gesetzt, bin zum Schloss Schleiden gefahren und mitten in diese Pressekonferenz geplatzt und habe dort einmal gefragt, was das soll. Die Herren waren extrem überrascht und ich hatte aufgrund meiner Vorgehensweise direkt ein Zeichen gesetzt.

Eine Woche später war ich Vorsitzender der Stadtratsfraktion (in meiner ersten Sitzung des Stadtrates – ein Novum). Wir haben es dann relativ schnell geschafft, die am Boden liegende Fraktion wieder aufzurichten und Ruhe in den Stadtverband zu bringen.


Frage: Was ist gut, was ist schlecht an der Möglichkeit, Politik zu machen?

Kupp: Gerade in so kleinen Stadtratsparlamenten hat man die Chance, sich aktiv für die Ortschaften einzubringen. Hier ist die Chance deutlich größer als in anderen – übergeordneten – Parlamenten. Kleine Dinge, die einen direkt betreffen, werden dort entschieden und man kann sich aktiv einbringen. Sei es nun ein neuer Dorfplatz, ein Sportplatz, ein Strassenausbau, eine Schule – Du hast die Möglichkeit, direkt mitzuentscheiden. Das schöne ist, dass hier Parteipolitik in 99% der Fälle überhaupt keine Rolle spielt. Wir treffen unsere Entscheidungen hier nach bestem Wissen und Gewissen und erhalten keinerlei Vorgaben aus der Kreis- oder Landespolitik. Die Bürger wählen die Menschen, von denen sie sich gut vertreten fühlen, da ist es in der Regel egal, welches Parteibuch man hat. Im übrigen werden über 90% der Entscheidungen im Rat einstimmig beschlossen. Bei den anderen Entscheidungen gibt es wechselnde Mehrheiten – diese zur organisieren ist überaus interessant.

Negativ sind eindeutig die Anfeindungen, die man mittlerweile ertragen muss. Dies hat seit dem Bürgermeisterwahlkampf extrem zugenommen. Im Wahlkampf wurde die Schleidener Politik und auch die Verwaltung in einem Maße diskreditiert, das es vorher noch nicht gegeben hat. Dies von Leuten, die gar nicht wussten, wie Kommunalpolitik funktioniert. Immer wieder war von Parteienfilz die Rede. Wir wurden für Entscheidungen in den Dreck gezogen, die wir gar nicht getroffen haben – sondern das Land und der Bund. Teilweise wurde dem Bürger vorgegaukelt, dass diese Entscheidungen rückgängig gemacht werden, wenn man dann selbst im Rat sitzt. Diese Art der Politik gefällt mir gar nicht – Fake News helfen keinem und irgendwann bemerkt der Bürger dies. Persönliche Vorteile durch das Amt gibt es nicht mehr – die Vergaberichtlinien und Gesetze haben da einen Riegel vorgeschoben und das ist auch gut so.


Frage: Braucht die Lokalpolitik ein Update? Wäre es sinnvoll, wieder eine kommunale Doppelspitze einzuführen in Form von ehrenamtlichem Bürgermeister und hauptamtlichem Verwaltungschef?

Kupp: Ich war und bin immer ein Freund der früheren Doppelspitze aus einem Stadtdirektor und einem ehrenamtlichen Bürgermeister. Dies hat nur einen Malus – da der Stadtdirektor nicht direkt vom Bürger gewählt wurde. Auch für den Posten des Stadtdirektors müsste man nicht unbedingt einen Verwaltungsfachmann einsetzen, sondern es wären auch hier Leute aus der Wirtschaft möglich, die bewiesen haben, dass man Unternehmen modern und gut führen kann. Die Rolle eines Chef sollte ähnlich wie in der Wirtschaft deklariert werden. Wir brauchen moderne Verwaltungen und hoch motivierte und geschulte Mitarbeiter.

Zu den Räten habe ich auch eine Meinung. Meines Erachtens sollte die Größe der Räte möglichst minimiert werden. Wir haben dies in Schleiden bereits gemacht und um sechs Sitze reduziert. Dies einstimmig und ohne jeglichen Hintergedanken. Ich würde die Anzahl noch weiter zurückschrauben und als Ausgleich die Ausschüsse vergrößern und sachkundige Bürger einsetzen. Dadurch hat fast jeder die Möglichkeit, sich am aktiven Geschehen zu beteiligen.