Schule in der Corona-Zeit

Wir fragten nach, und zwar am Gymnasium in Kall-Steinfeld/Eifel

 

Zunächst allgemeine Infos zur Schule, die Fragen beantwortete die Schulleitung:

Das Gymnasium Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld besuchen zur Zeit 726 Schüler; 50 Lehrer und drei Referendare unterrichten an der Schule, Schulleiter ist Thomas Frauenkron, sein Stellvertreter ist Willi Frauenrath, die Schule existiert seit 1924 (zunächst als Kolleg für die Priesterausbildung bzw. die Ausbildung des Ordensnachwuchses, später als Aufbaugymnasium und seit über 60 Jahren als Gymnasium für Jungen und Mädchen).

 

Frage: Schule in der Corona-Zeit, was funktioniert?

Antwort: Die Schule ist geschlossen und die SuS (Abkürzung für Schülerinnen und Schüler) müssen zu Hause bleiben. Aber alle SuS erhalten in Haupt- und Nebenfächern auf digitalem Weg Anleitungen und Aufgaben, damit sie alleine oder auch in Zusammenarbeit mit Mitschülern den Unterrichtsstoff weiterverfolgen und bearbeiten. Zur Kontrolle und Korrektur schicken sie die Lösungen ihren Lehrern zurück. Teilweise werden die Schülerlösungen individuell korrigiert, was aber bei der Menge an abgegebenen Aufgaben, die der einzelne Lehrer täglich erhält, dauerhaft schlichtweg unmöglich ist. Deswegen erhalten die SuS auch Musterlösungen zur Selbstkontrolle.

 

Frage: Und wie funktioniert Schule jetzt, zahlt es sich aus, dass in Steinfeld schon seit 2015 in einer 1:1-Ausstattung mit Tablets gearbeitet wird?

Antwort: Dabei zahlt es sich auf jeden Fall aus, dass die Schule moderne digitale Medien seit 2015 in immer größerer Zahl und immer stärker in den Unterricht eingebunden hat.
Alle SuS der Klassen 7 bis Q1 und alle Lehrkräfte haben in den letzten 5 Jahren kostenlos von der Schule ein Tablet zur Verfügung gestellt bekommen, das auf der Grundlage unseres Medienkonzeptes überall dort in den Unterricht integriert wird, wo es gewinnbringend und sinnvoll erscheint.
Als die Schulschließungen am Wochenende des 14./15. März bekanntgegeben wurden, wurden bereits am Montag, 16.03.2020, für alle Schüler und 53 Lehrer mit der App iTunesU Arbeitsplattformen eingerichtet (soweit sie nicht schon vorher benutzt wurden), auf denen Lehrer und Schüler in oben beschriebener Weise kommunizieren und sich austauschen können. Die jüngeren Schüler werden über E-Mails versorgt. Dabei wird nicht nur mit Texten oder Aufgaben gearbeitet, sondern es kommen Keynotes, Lernvideos, Filme und vieles mehr zum Einsatz, und zwar individuell von Lehrkraft zu Lehrkraft, damit die Arbeit für die SuS abwechslungsreich und interessant bleibt.

 

Frage: Was machen die Abiturienten? Wird das Abitur stattfinden können?

Antwort: Die Abiturienten erhalten Lehr- und Lernmaterialien wie alle anderen, aber natürlich eng auf das bevorstehende Abitur abgestimmt und in noch intensiverem Austausch mit ihren Lehrern. Aber ob und wie das Abitur wird stattfinden können, liegt derzeit nicht in der Hand der Schule. Hier bleiben die weitere Entwicklung und die Vorgaben der Politik abzuwarten.

 

Frage: Wird regelmäßiger Kontakt zu den Schülern gehalten? Werden ihre
eventuellen Sorgen gehört?

Antwort: Die Kollegen aller Fächer kommunizieren mehrfach pro Woche mit den Schülern auf oben genannte Weise. Ca. zwei Mal pro Woche schreiben wir von der Schulleitung alle Familien an, um die neuesten Informationen zu teilen und in Kontakt zu bleiben. Eltern wie Schüler gehen bislang unheimlich souverän und vernünftig mit der Situation um.

 

Frage: Besitzen die Schüler, eventuell stufenweise, ein Netzwerk untereinander?

Antwort: Es gibt kein offizielles Schulnetzwerk für die SuS. Aber aus der täglichen Erfahrung wissen wir, dass die SuS untereinander auch klassen-, kurs- oder stufenweise sehr gut vernetzt sind.

 

Frage: Wird der mögliche Unterrichtsanlauf bedacht? Wie könnte er aussehen?

Antwort: Wenn die Schulen wieder geöffnet werden, dann wird der „normale“ Unterricht wohl problemlos wieder aufgenommen werden können. Dabei werden die Lehrer sich natürlicherweise erst ein Bild machen müssen, wieweit der Individualunterricht die SuS vorangebracht hat und ob der so gelernte Stoff „sitzt“. Eine offene Frage stellen natürlich die vielen verpassten Klassenarbeiten dar. Auch hier wird aber abzuwarten sein, was die Schulbehörde vorgibt, ob alles nachgeholt werden muss oder ob Arbeiten ausgesetzt werden oder in anderer Form stattfinden. Auch die Notengebung, die insbesondere in der Oberstufe quartalsweise zu erfolgen hat, wird überdacht werden müssen. Heute haben wir von der Schulbehörde erfahren, dass Wandertage, Klassenfahrten, Schüleraustausche usw. bis zum Schuljahresende alle ausfallen müssen. Insgesamt gibt es noch viele offene Fragen, die wir z. Zt. nicht beantworten können.

 

Frage: Könnte es sein, dass aus dieser schwierigen Zeit Bausteine mit in
die "normalen" Zeiten genommen werden?

Antwort: Mit Sicherheit. Unser Tablet-Unterricht hat sich aufgrund der Situation schnell und stetig weiterentwickelt. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Die Kollegen haben individuell neue Herangehensweisen ausprobiert oder Arbeitsmethoden und Maßnahmen entwickelt, die ihren Niederschlag in unserem digitalen Methodenkonzept finden werden. Auch wir Lehrer lernen unheimlich viel dazu. Es zeigt sich aber auch, dass es ganz ohne klassischen Unterricht mit einem Lehrer im Raum auch in Zukunft nicht gehen wird.

 

Frage: Gibt es ein Thema, das Sie gerne ansprechen möchten in diesem
Zusammenhang?
Antwort: Obwohl das Hermann-Josef-Kolleg die derzeitige Situation gewinnbringend nutzt und die Übung im Unterricht mit Tablets sich nun auszahlt, sehnen wir – Schüler wie Lehrer – natürlich den schulischen Alltag wieder herbei, weil der persönliche Kontakt durch kein Hilfsmittel auf Dauer zu ersetzen ist.
Allen SuS und ihren Angehörigen sowie dem Kollegium und den Mitarbeitern wünschen wir, dass sie gesund bleiben und die Krise baldmöglichst endet.

 

Weitere, immer aktuelle Infos gibt es im Netz über
www.kloster-steinfeld.de
und dann in der oberen Reihe auf den Button "Gymnasium" klicken.

 

Danke an die Schulleitung für das freundliche Interview!

 

Foto/Interview: www.gkli.de

Blick in die bereifte Zukunft der Eifel

Interview mit Marco Jaquet (44 Jahre), Maschinenbauingenieur mit Wohnort Gemeinde Kall / Eifel, Mitglied im Rallye-Club Nordeifel, zum Thema Strukturwandel, speziell im KFZ - Energiebereich

 

Frage: Waren Deine Eltern auch Maschinenbauer oder etwas ganz anderes?

Marco Jaquet: Ich bin Sohn eines Finanzbeamten und einer Zahnarzthelferin. Meine Tätigkeit steht hierzu in starkem Gegensatz. Ich komme da eher nach meinem Großvater, der handwerklich talentiert war, gebaut und repariert hat. Als Vorbereitung für das Studium machte ich ein Praktikum. Ich studierte von 1997 bis 2005 an der Fachhochschule in Köln.

 

Frage: War Dein jetziger Beruf Dein Berufswunsch? Oder wie bist Du dazu gekommen, diesen Berufsweg zu verfolgen?

Marco Jaquet: Ja, war es, aber nicht direkt. Ich war immer von Autos und Technik fasziniert, wollte Automechaniker werden. Hier hat mein Vater widersprochen. Ich war damals zu naiv und habe nicht erkannt, dass dies für mich in einer Sackgasse enden würde. Hierdurch kam es dann zu der Entscheidung, Maschinenbau zu studieren.

 

Frage: Wie lange arbeitest Du schon in der Branche und wie hat sich der Beruf eventuell gewandelt?

Marco Jaquet: Seit 2005 arbeite ich als Ingenieur. Ich war hierbei zumeist ein Konstrukteur und CAD Entwickler (CAD = computer aided design) in CATIA V4 und V5 besonders in den Kohlefaser- und Flächenmodulen, dann in Siemens NX 6.0, 7.0 und 7.5 für hauptsächlich Zylinderköpfe und CREO 2.0. Dies bedeutet, am PC Komponenten und Baugruppen zu entwickeln und auszuarbeiten, sodass sie herstellbar und günstig sind, die Aufgaben und Ansprüche erfüllen und nicht zu komplex sind.

CAD technisch hat sich einiges getan, der Weg von 2D zu 3D über 2,5D war gewaltig.

 

Mittlerweile ist es aber so, dass gerade CAD Entwickler weniger gesucht werden und dies aufgrund von Kosten zunehmend ausgelagert wird über Dienstleister beziehungsweise aufgrund der Vergabe an externe Firmen in Ländern wie etwa Indien. Meiner Meinung nach wird hier sogar Geld verloren, da die Wege länger werden, Korrekturen sogar mehrere Tage dauern, auch wenn es nur um Kleinigkeiten geht. Jedes Detail muss erklärt werden, was mit einem Kollegen im gleichen Gebäude angenehmer wäre, alleine für Rückfragen oder minimalste Missverständnisse. Zusätzlich bemerke ich, da ich hauptsächlich im KFZ-Bereich arbeite, eine große Verunsicherung in Bezug auf die Zukunft. Niemand weiß, ob oder wie E-KFZ tatsächlich kommen werden. Entwicklung bindet immer viele Mitarbeiter in kritischen Vorphasen von Projekten und Baureihen, man ist aber zu diesem Zeitpunkt noch weit weg von einer Phase, in der das Produkt verkauft werden kann, um dieses Geld auch wieder herein zu holen.

 

Frage: Wie siehst Du die Zukunft für die Eifel, was KFZ und Energie angeht?

Marco Jaquet: Ich persönlich sehe keine große E-Auto-Zukunft für ländliche Gegenden wie die Eifel, derzeit nicht, die Strecken sind oft zu groß für die Ladekapazität. Der erste Teil meiner Betrachtung richtet sich rein an den Bereich Privatpersonen: In den Städten, wo es Sinn macht, haben die meisten Personen, für die ein E-KFZ geeignet wäre, keine Garage, sodass das Laden nicht gut möglich ist. Nicht an jedem Parkplatz kann ein gegen Vandalismus geschützter Ladepunkt vorhanden sein. Jeder, der in der Eifel berufstätig ist oder Mutter/Vater mit Kindern, wird meiner Meinung nach auch in 20 Jahren noch Verbrenner-KFZ fahren, obwohl auf dem Land gesicherte Garagen ja meist vorhanden sind.

Das Problem wird das Laden und die Akkukapazität bleiben.

 

Beispiel: Nach der Arbeit noch schnell Kinder zum Training fahren, das könnte nach der Pendelfahrt zur Arbeit eng werden. Wesentlich grössere E-Fahrzeuge mit knappen 400 oder 500 Kilometern Reichweite sind wieder ausserhalb des Budgets der meisten Menschen, sowohl gebraucht als auch neu. Ich selbst sehe ein über alle Hersteller identisches, einheitliches Akkupacksystem an einem Schnellverschluss als Zukunft. Das Tanken wäre dann an einer Tankstelle der Wechsel des leeren gegen einen vollen (Pfand-)Akku etwa am Unterboden. Dies klappt aber erst mit höheren Kapazitäten, da der Akku nicht grösser als ein Reisekoffer sein sollte. Bis dahin werden die Akkus in kleinere Elemente aufgeteilt weiterhin in jeder freien Ecke des Fahrzeuges verbaut sein und so ein Tausch oder „Tanken“ nicht möglich sein. Selbst ein Wechsel solcher Elemente ist nur schwierig möglich, um einem dann älteren Wagen wieder mehr Reichweite nach Alterung zu geben. Finanziell wird es sich erst recht nicht lohnen und kommt einem irreparablen Motorschaden eines Verbrenners gleich.

 

Zweiter Teil der Betrachtung: Ganz anders sieht es im kommerziellen Bereich aus. Angestellte im Bereich der häuslichen Pflege oder sogar Abfallwirtschaftsunternehmen mit kürzeren Strecken oder vielen Start-Stopp-Situationen, besonders mit geleasten Fahrzeugen, werden auch in der Eifel bald elektrifiziert unterwegs sein können. Bei Bussen sehe ich wieder weniger Chancen aufgrund der vielen Überlandfahrten und einem hohem Verbrauch an Wärme im Winter oder Kühlung im Sommer aufgrund oft geöffneter Türen und dem damit verbundenen Luftaustausch, das mindert die Akkukapazität. Positiv wären allerdings gute Unterbringungsmöglichkeit an Akkus im unteren Teil des Busses, so dass Hybridbusse ein zukünftige Anwendung sein könnten.

 

Frage: Was wären für Dich Berufsalternativen? Vielleicht Berufsschullehrer am BZE in Euskirchen? Was würdest Du jungen Leuten beibringen wollen?

Marco Jaquet: Mit Alternativen in technischen Berufen, der Entwicklung und Konstruktion, ist die Eifel leider etwas schwächer aufgestellt. Als Berufsschullehrer würde sich Lehrer als CAD Konstrukteur in CATIA V5 anbieten, da ich auch schon parallel Trainer und Schulungsleiter war. Das Wissen über die reine Komponentenentwicklung, Zusammenbauten und Zeichnungsableitungen wäre mit Sicherheit gut nutzbar je nach gewünschtem CAD System. Das Wissen in Bezug auf Kohlefaserbauteilentwicklung wäre dann wieder eine Sonderanwendung im Bereich Luft- und Raumfahrt sowie Motorsport oder Kleinserienentwicklungen. Hierüber hinaus kommen aber dann dringend die soft skills. Was ich immer wieder feststelle ist, dass nicht nur das Fachwissen selbst eine Notwendigkeit ist, sondern darüber hinaus die Fähigkeit, die eigenen Konstruktionen, Erfahrungen und das Wissen gegenüber Kollegen darstellen zu können und diese auch logisch und rational zu verteidigen. In Entscheidungsprozessen zu Grossserien gibt es sehr selten am Ende die Entscheidung für die bessere Konstruktion gegenüber einer etwas schlechteren Konstruktion, die aber günstiger ist.

 

Hier geht es dann wieder um das Abwägen von Nutzen, Aufwand, Umsetzbarkeit und Einnahmen gegenüber Kosten. Hier müssen junge Leute für ihren Standpunkt in der Lage sein, das eigene Pro darzustellen, das Contra zu verstehen und in Relation zu den Pros abzuwiegen und dann zu verteidigen. Hieraus sollte dann von allen Beteiligten eine rationale Entscheidung entstehen. Das wäre dann nicht nur etwas für das Berufsleben, sondern auch für den Privatbereich. Aktuell sieht ja jeder, wie Emotionalität viele Diskussionen zum Thema Umwelt und Politik zerstört und es zu Überreaktionen und Beschuldigungen sowie vielen niveaulosen Anfeindungen kommt. Dieses Problem tritt aber über alle Generationen auf und kann durch Rationalität etwas entschärft werden.

 

Danke Marco für das super interessante Interview!

Interview mit Hellenthals Bürgermeister Rudolf Westerburg

Interview mit Hellenthals Bürgermeister Rudolf Westerburg zur Pflege des Soldatenfriedhofs in Hellenthal-Oberreifferscheid.

 

Ausschlag, das Thema "Pflege von Soldatenfriedhöfen in Deutschland" aufzunehmen, war ein Besuch des Hellenthaler Bürgermeisters in Margraten (Niederlande). Dort ist ein super gepflegte Soldatenfriedhof mit 8301 Gräbern ein Publikumsmagnet, siehe https://www.abmc.gov/cemeteries-memorials/europe/netherlands-american-cemetery. Die hervorragende und aufwändige Pflege wird umfangreich aus Steuergeldern von der Regierung finanziert, nur so ist eine derartige Anlage in dieser Weise sicher zu halten und zu tragen.

 

Frage: Wie groß ist der Soldatenfriedhof in Oberreifferscheid, wieviele 
Gräber sind vorhanden, wann wurde er
angelegt?

Rudolf Westerburg:  Der Soldatenfriedhof wurde am 5. Oktober 1958 offiziell eingeweiht. Die Gesamtgrundstücksfläche beträgt 1,6 Hektar. 1163 Soldaten liegen in Oberreifferscheid begraben; es existieren 751 Einzelgräber, 412 Soldaten wurden in Sammelgräbern beerdigt. Die Sammelgräber besitzen eine Fläche von 1479 Quadratmeter.

Frage: Wer wurde dort begraben? Ausschließlich Soldaten oder auch Zivilisten?


Westerburg: Es sind keine Zivilisten begraben. Die letzte Beisetzung war im Jahre 2005 (Friedrich Kindler, Östereicher).

Frage: Wer übernimmt die Pflege? Wer muss für die Pflege aufkommen? Wer 
kontrolliert den Platz?

Rudolf Westerburg: Die Pflege übernimmt die Gemeinde. Die Gemeinde leistet die Kosten der Unterhaltung und Pflege vor und erhält auf Antrag jährlich einen Zuschuss des Landes. Wir bekommen keinerlei Erstattung für die Friedhofskapelle. Der Gemeinde obliegt auch die Platzkontrolle.

Frage: Wird der Friedhof frequentiert? Eventuell von Schulklassen? Gab 
es da Frequenz-Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte?


Rudolf Westerburg: Jeden Tag finden sich auf dem Soldatenfriedhof in Oberreifferscheid Besucher ein. Schulklassen kommen ganz selten. Eine Frequenzveränderung ist für mein Empfinden nicht festzustellen. Es kommen von Beginn an Angehörige der Gefallenen zu den     Gräbern, weitere Besucher kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen.


Frage: Wie hat der Besuch des Soldatenfriedhofs in Margraten auf Sie gewirkt? Was haben Sie gedacht?

Rudolf Westerburg: Wir haben ja in Margraten den "Zustand" des Soldatenfriedhofes gesehen. Ich finde diesen Umgang in den Nachbarländern auf und mit den dortigen Soldatenfriedhöfen gut. Das sind für mich neben Erinnerungs- und Gedenkorten auch wichtige Lernorte. Davon sind wir in Deutschland meilenweit entfernt. Unser Staat tut viel zu wenig für die Erinnerung  und Information an das Geschehene und die Mahnung zum Frieden für die Zukunft.

Herzlichen Dank für das Interview an Herrn Bürgermeister Rudolf Westerburg!

 

Nachtrag: Unsere Leserin Waltraud Poensgen gab den Einwand, dass auf dem Soldatenfriedhof in Oberreifferscheid auch eine Tante und ein Onkel von ihr beigesetzt seien - beides keine Soldaten. Dazu schreibt Hellenthals Bürgermeister Rudolf Westerburg, nachdem er auf ein Neues recherchierte:

"Der Einwand von Frau Poensgen ist zutreffend.

Auf einem Soldatenfriedhof liegen klassisch nur Soldaten. Auf einer Kriegsgräberstätte auch Zivilisten.
In allen Unterlagen wird immer nur von Soldaten gesprochen. Der Friedhof ist auch so gekennzeichnet und wird so auch bei der Gemeinde, Kreis, Bezirksregierung und beim Volksbund so geführt. Lediglich einige Minensucher, die direkt nach dem Krieg bei Ihrer Arbeit umgekommen sind, sind auch dort beigesetzt, weil es sich wohl auch, so die Vermutung, um ehemalige Soldaten handelte.

Von beigesetzten Frauen ist nirgends die Rede. Bei der Durchsicht des Bestattungsbuches fallen allerdings zwei Frauennahmen auf, deren sterbliche Überreste dort beigesetzt sind.

Mit freundlichem Gruß

Rudolf Westerburg

-Bürgermeister-

Gemeinde Hellenthal"

Danke an Waltraud Poensgen für den Einwand und Bürgermeister Westerburg für die tolle Recherche!

 

Interview mit Prof. Dr. Frank Günter Zehnder

Interview mit Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, seit zehn Jahren, also von Beginn an, Leiter der Internationalen Kunstakademie in Heimbach.

Frage: Wieviele "Schülerinnen und Schüler" durchliefen die Internationale Kunstakademie (IKA) bereits?
Zehnder: Unsere Institution besuchen alle Generationen. Zumeist sind es ambitionierte Laien im jüngeren, im mittleren und im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Aber auch Profis sind zunehmend in den Kursen.

Außerdem bereiten sich hier viele junge Leute, die ein Kunststudium anstreben, vor dem Schulabgang auf die Mappenvorlage vor.

Für Kinder und Jugendliche gibt es besondere Formate im Rahmen von Ferienworkshops und Kulturrucksack NRW. Insgesamt waren seit 2009 fast 8000 Studierende in unseren Kursen, darunter zunehmend Wiederholungsbesucher.

Frage: Aus welchen Landstrichen beziehungsweise Ländern reisten die Schülerinnen und Schüler an?
Zehnder: Die Studierenden kommen aus allen Teilen Deutschlands von Kiel bis Garmisch-Partenkirchen, aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande und Dänemark. Studierende aus der Region (25 bis 150 km) sind stärker vertreten.

Frage: Wieviele Ausstellungen inklusive Werkschauen wurden bereits gezeigt?
Zehnder: Es wurden 63 Werkschauen und acht Großausstellungen gezeigt.
Die Werkschauen wurden durchschnittlich von 800 Besuchern und die Großausstellungen von durchschnittlich 3000 Besuchern gesehen.
Die Rizzi-Ausstellung war mit 13.500 Besuchern der Renner.

Frage: Wie kommt die neue Bibliothek zustande? Ist sie für jeden zugänglich?
Zehnder: Von Beginn an war die Kunstbibliothek ein wichtiges Ziel, weil sie den Blick auf Gattungen, Künstler, Museen, Stile, Techniken, Sammlungen weiten kann. Das ist für das Akademieteam, für die Studierenden, für Gäste und auch für die Dozenten eine gute Informationsquelle.
Die Bibliothek wurde durch spezielle Bücher-Spenden von Privat begründet, erhält Belegexemplare von Künstlern und Autoren, wird durch notwendige und wichtige Zukäufe erweitert. Besonders umfangreiche Bücherspenden aus Bonn, Bergisch Gladbach, Euskirchen und Heimbach waren ausschlaggebend für das weitere Wachsen.
Der Bestand wurde von einer Studentin der Bibliothekswissenschaft an der Uni Köln fachgerecht geordnet und beschriftet.
Die Kunstbibliothek ist für jeden zugänglich (nach Anmeldung im Sekretariat). Bücher können auch ausgeliehen werden, und man kann sogar in der Bibliothek arbeiten.

Frage: Wie wird die Zukunft der IKA aussehen? Weitere Kursangebote und Ausstellungen wie bisher oder gibt es Gedanken an neue Bausteine?
Zehnder: Die Kunstakademie wird auch weiterhin für ihre Jahresprogramme neue Dozentinnen und Dozenten berufen. So waren es im Programm 2019 etwa der rumänische Maler Viorel Chirea, der Graffitikünstler Kai Niederhauser "Semor" und die Berliner Künstlerin Anja Ehrenberg (Art Journal). Im Programm 2020 werden etwa zusätzlich Kalligraphie und Performance angeboten werden.
Natürlich werden auch zukünftig neben den immer wichtigen und interessanten Werkschauen große Ausstellungen gezeigt. In naher Zukunft sind beispielsweise die "Eifeler Ateliertage" (31.8. bis 15.9.2019) zu Gast, und vom 22.9. bis zum 27.10.2019 wird die Ausstellung "Nah + Fern. Landschaften" des Kunstpreisträgers des Kreises Düren 2019, Walter Dohmen, präsentiert. Im Frühjahr 2020 gibt es als Überraschung eine umfangreiche Ausstellung (samt Katalog) moderner Graphik, die der Kunstakademie aus Privatbesitz anvertraut wurde.

Frage: Wie lange möchten Sie die Akademie noch leiten und wer könnte ein passender Nachfolger oder eine passende Nachfolgerin werden? Wird darüber nachgedacht?
Zehnder: Über einen Schlusstermin meiner Leitungstätigkeit an der Akademie denke ich aktuell nicht nach. Es gibt viel zu tun, und mir macht die umfangreiche Aufgabe nach wie vor viel Freude. Wir denken stets über die Fortentwicklung der Kunstakademie und über neue Ideen nach.
Über Namen von Nachfolgerin oder Nachfolger wird überhaupt nicht nachgedacht. Wir beobachten den Markt und haben klare grundsätzliche Erwartungen für diese Position, die vom Vorstand des "Trägerverein Internationale Kunstakademie Heimbach e. V." besetzt wird.
Die Internationale Kunstakademie steht unter wissenschaftlicher Leitung, sie erfordert breite Kenntnisse in der modernen und aktuellen weltweiten Kunst. Die Leitung muss über ein fachinternes und gesellschaftliches Netzwerk zugunsten der Kunstakademie verfügen; eingeschlossen außerdem Personalführung, Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungs-, Führungs- und Publikationserfahrungen.
An diesen Bedingungen und Kompetenzen wird sich auch in Zukunft kaum etwas ändern.

Frage: Wie wichtig ist der Förderverein für die IKA?
Zehnder: Der unter Markus Schöller gegründete "Förderverein Internationale Kunstakademie Heimbach e.V.", der aktuell von Fred Kessel als Vorsitzendem geführt wird, ist außerordentlich wichtig und rührig. Er hat fast 200 Mitglieder (darunter eine hundertjährige Dame), er gestaltet für diese Kunstfreunde ein eigenes Programm von Führungen, Besichtigungen, Previews und Exkursionen, er unterstützt die Arbeit der Kunstakademie durch Aufsichten, Spenden und Mitarbeit. Er leistet in vielen Projekten finanzielle Hilfe und ist der Akademie einfach eng verbunden. Er verbindet auch die Mitglieder auf und durch die gemeinsamen Veranstaltungen untereinander.

Frage: Wie trägt sich die Einrichtung?
Zehnder: Die laufenden Kosten für den Kursbetrieb (Dozentenhonorare, Nebenkosten, Material etc.) werden aus diesem erwirtschaftet. Overhead-Kosten (Gebäude, Energie, Lohnkosten und so weiter) werden aus Gewinn, Zuschüssen von Kreis und Stadt sowie mit der Hilfe großzügiger Sponsoren bestritten.

Frage: Ist Ihnen noch etwas wichtig, was in einem Artikel unbedingt Erwähnung finden sollte?
Zehnder: Die Internationale Kunstakademie Heimbach ist Ansprech- und Kooperationspartner für viele Institutionen. Sie arbeitet beispielsweise mit Lit.eifel, Eifel musicale, Kammermusikfestival "Spannungen", Kulturrucksack NRW, Schulen, LAG Arbeit Bildung Kultur NRW e.V., Kulturinitiative im Kreis Düren e.V., im Arbeitskreis der Museen im Kreis Düren, mit der Kreisverwaltung Düren und der Stadt Heimbach engagiert und gerne zusammen.

Vielen Dank für dieses Interview sagt das Team von Gudrun Klinkhammer Stories.  :-)

Interview mit Jochen Kupp

Der Schleidener CDU-Politiker Jochen Kupp (50), Leiter des Berufsbildungszentrums Euskirchen (BZE), trat als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Schleiden zurück. Ein Paukenschlag.

Das Team von Gudrun Klinkhammer Stories (www.gkli.de / recherche) bat ihn um ein Interview:

 

Frage: Warum der plötzliche Rücktritt als Vorsitzender des Stadtverbandes Schleiden?

Kupp: Für mich war das nicht plötzlich. Eigentlich hatte ich geplant, dass Amt bis 2021 zu behalten und dann in jüngere Hände abzugeben. Ich wollte den Stadtverband noch durch die kommende Kommunalwahl führen und wäre dann auch hauptverantwortlich für den Wahlkampf gewesen. Meine Entscheidung hatte im Übrigen nichts mit der Arbeit in Schleiden (Rat und Stadtverband) zu tun! Das Fass war halt jetzt – aus diversen anderen Gründen - übergelaufen und deshalb bin ich zurückgetreten.


Frage: Was waren Ihre politischen Ziele? Hatten Sie Ambitionen als Landratskandidat?

Kupp: Ich war natürlich geschmeichelt, als ich zu einer Kandidatur zum Landrat vorgeschlagen wurde. Ich glaube auch, dass ich aufgrund meiner beiden Studien (Wirtschaftsrecht und BWL) sowie den über 30-jährigen Erfahrungen in der freien Wirtschaft und beim Berufsbildungszentrum Euskirchen die besten Voraussetzungen gehabt hätte, dieses Amt auszuführen. Gerade bei meiner Tätigkeit als Leiter des BZE habe ich bewiesen, dass ich Menschen führen kann, dass ich mit Menschen kommunizieren kann und diese zu Höchstleistungen animieren kann. Wir haben uns im Berufsbildungszentrum toll entwickelt und schreiben richtig gute Zahlen – dies hat vorher niemand für möglich gehalten.

Letztendlich habe ich mich nicht gegen eine Landratskandidatur entschieden, sondern für das BZE. Ich liebe meinen Job und liebe meine Mitarbeiter. Mir wurde von den Mitarbeitern und auch teilweise von den Trägern eine unglaubliche Wertschätzung entgegengebracht. Die Menschen haben mir das Gefühl gegeben, dass ich noch gebraucht werde und dass sie wollen, dass ich bleibe. Das ist ein unheimlich gutes Gefühl und wichtiger als Macht und Geld!

Jetzt werde ich gemeinsam mit meinem Mitarbeitern versuchen, dass Berufsbildungszentrum zu einem der modernsten in NRW zu machen. Da haben wir noch einiges vor und ich freue mich sehr darauf. Meine Aufgabe beim BZE ist sehr spannend und ich glaube, dass ich nicht unglücklicher sterben werde, wenn ich kein Landrat gewesen bin 😊.


Frage: Wie stellen Sie sich momentan Ihre politische Zukunft vor?

Kupp: Die Bürger aus meinem Wahlkreis (Schöneseiffen/Harperscheid) haben mich vor fünf Jahren zum zweiten Mal mit großer Mehrheit in den Schleidener Stadtrat gewählt. Dieses Amt werde ich selbstverständlich weiter wahrnehmen und nach jetzigem Stand auch im nächsten Jahr wieder für den Stadtrat Schleiden kandidieren. Zusätzlich strebe ich eine Kandidatur für den Kreistag Euskirchen an.

Was sich aus beiden Ämtern ergibt – falls ich aufgestellt und gewählt werde, wird sich zeigen. Ich bin keiner, der in der zweiten Reihe sitzt und abwartet – ich gehe aktiv nach vorne und bringe mich ein.


Frage: Leider ist die Internetseite des CDU Stadtverbandes derzeit nicht abrufbar. Wieviele Mitglieder hat der Verband aktuell und wie könnte es nun für den Verband weitergehen? Ist ein Nachfolger für Sie in Sicht?

Kupp: Der Schleidener Stadtverband hat rund 180 Mitglieder. In den vergangenen Monaten habe ich gemeinsam mit Bürgermeister Ingo Pfennings versucht, neue Mitglieder zu werben. Dies ist uns auch gelungen und wir konnten einige neue Mitglieder finden, die auch bereit sind, bei den nächsten Wahlen zu kandidieren. Ferner stehen wir kurz vor der Gründung einer jungen Union Schleiden/Hellenthal – hier waren zur Infoveranstaltung zahlreiche junge Menschen, die sich für die Politik interessieren. Das macht uns große Hoffnung für einen notwendigen personellen Umbruch in unserem Stadtverband.

Die brach liegende Internetseite zeigt vielleicht ganz gut das Dilemma, worin wir in Schleiden stecken. Die Arbeit in Stadtverband und Fraktion lastete zum Großteil auf meinen Schultern. Dies kann man mal eine gewisse Zeit machen, aber irgendwann wird dies zu viel. Vielleicht ist dies aber nun jetzt auch eine Chance, dass andere Mitglieder sich mehr einbringen und Verantwortung übernehmen. Die Frage des Nachfolgers / der Nachfolgerin kann ich derzeit nicht beantworten, da ich mich bewusst etwas zurückgezogen habe.


Frage: Wann sind Sie in "die Politik" gegangen und warum?

Kupp: Ich bin schon immer ein politisch interessierter Mensch gewesen. Da ich kein Typ bin, der nur über die Politik meckert, wollte ich mit anpacken und etwas verändern. Mit der Kommunalpolitik habe ich vor etwa 15 Jahren nach Beendigung meines zweiten nebenberuflichen Studiums begonnen. Zunächst habe ich mich in der Ortsunion engagiert und dann 2009 für den Rat kandidiert.

Nach der erfolgreichen Wahl ergab sich aber leider in Schleiden eine sehr kritische Situation. Der Fraktionsvorstand und der Stadtverbandsvorstand „wurde“ zurückgetreten. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation, die ziemlich bezeichnend war. Vor Jahren war es üblich, dass Presseberichte schon teilweise am Vorabend online waren. Nach einem Schwimmbadbesuch in Vogelsang habe ich dann in der Presse von einer Sitzung gelesen, wo im Schloss Schleiden vorab über eine Pressekonferenz berichtet wurde, in der der Vorstand der Fraktion und Stadtverbandsvorstand zum Rücktritt aufgefordert wurde. Journalist FA Heinen hatte da eine Kurzmeldung abgegeben. Ich versuchte, FA Heinen zu erreichen und auch unseren Vorsitzenden, bekam aber nur die telefonische Info, dass die Beiden sich auf der besagten Pressekonferenz befänden. Als neues Mitglied der Fraktion war dies für mich – eine Woche vor der konstituierenden Ratssitzung – eine mehr als seltsame Situation. Ich habe mich dann ins Auto gesetzt, bin zum Schloss Schleiden gefahren und mitten in diese Pressekonferenz geplatzt und habe dort einmal gefragt, was das soll. Die Herren waren extrem überrascht und ich hatte aufgrund meiner Vorgehensweise direkt ein Zeichen gesetzt.

Eine Woche später war ich Vorsitzender der Stadtratsfraktion (in meiner ersten Sitzung des Stadtrates – ein Novum). Wir haben es dann relativ schnell geschafft, die am Boden liegende Fraktion wieder aufzurichten und Ruhe in den Stadtverband zu bringen.


Frage: Was ist gut, was ist schlecht an der Möglichkeit, Politik zu machen?

Kupp: Gerade in so kleinen Stadtratsparlamenten hat man die Chance, sich aktiv für die Ortschaften einzubringen. Hier ist die Chance deutlich größer als in anderen – übergeordneten – Parlamenten. Kleine Dinge, die einen direkt betreffen, werden dort entschieden und man kann sich aktiv einbringen. Sei es nun ein neuer Dorfplatz, ein Sportplatz, ein Strassenausbau, eine Schule – Du hast die Möglichkeit, direkt mitzuentscheiden. Das schöne ist, dass hier Parteipolitik in 99% der Fälle überhaupt keine Rolle spielt. Wir treffen unsere Entscheidungen hier nach bestem Wissen und Gewissen und erhalten keinerlei Vorgaben aus der Kreis- oder Landespolitik. Die Bürger wählen die Menschen, von denen sie sich gut vertreten fühlen, da ist es in der Regel egal, welches Parteibuch man hat. Im übrigen werden über 90% der Entscheidungen im Rat einstimmig beschlossen. Bei den anderen Entscheidungen gibt es wechselnde Mehrheiten – diese zur organisieren ist überaus interessant.

Negativ sind eindeutig die Anfeindungen, die man mittlerweile ertragen muss. Dies hat seit dem Bürgermeisterwahlkampf extrem zugenommen. Im Wahlkampf wurde die Schleidener Politik und auch die Verwaltung in einem Maße diskreditiert, das es vorher noch nicht gegeben hat. Dies von Leuten, die gar nicht wussten, wie Kommunalpolitik funktioniert. Immer wieder war von Parteienfilz die Rede. Wir wurden für Entscheidungen in den Dreck gezogen, die wir gar nicht getroffen haben – sondern das Land und der Bund. Teilweise wurde dem Bürger vorgegaukelt, dass diese Entscheidungen rückgängig gemacht werden, wenn man dann selbst im Rat sitzt. Diese Art der Politik gefällt mir gar nicht – Fake News helfen keinem und irgendwann bemerkt der Bürger dies. Persönliche Vorteile durch das Amt gibt es nicht mehr – die Vergaberichtlinien und Gesetze haben da einen Riegel vorgeschoben und das ist auch gut so.


Frage: Braucht die Lokalpolitik ein Update? Wäre es sinnvoll, wieder eine kommunale Doppelspitze einzuführen in Form von ehrenamtlichem Bürgermeister und hauptamtlichem Verwaltungschef?

Kupp: Ich war und bin immer ein Freund der früheren Doppelspitze aus einem Stadtdirektor und einem ehrenamtlichen Bürgermeister. Dies hat nur einen Malus – da der Stadtdirektor nicht direkt vom Bürger gewählt wurde. Auch für den Posten des Stadtdirektors müsste man nicht unbedingt einen Verwaltungsfachmann einsetzen, sondern es wären auch hier Leute aus der Wirtschaft möglich, die bewiesen haben, dass man Unternehmen modern und gut führen kann. Die Rolle eines Chef sollte ähnlich wie in der Wirtschaft deklariert werden. Wir brauchen moderne Verwaltungen und hoch motivierte und geschulte Mitarbeiter.

Zu den Räten habe ich auch eine Meinung. Meines Erachtens sollte die Größe der Räte möglichst minimiert werden. Wir haben dies in Schleiden bereits gemacht und um sechs Sitze reduziert. Dies einstimmig und ohne jeglichen Hintergedanken. Ich würde die Anzahl noch weiter zurückschrauben und als Ausgleich die Ausschüsse vergrößern und sachkundige Bürger einsetzen. Dadurch hat fast jeder die Möglichkeit, sich am aktiven Geschehen zu beteiligen.